Abnehmer und Anschlussleistung

Abnehmereigenschaften im Reiter Gebäudebedarf: Farbmodi, Bedarfssummen, Anschlussleistung sowie Wärmepumpe mit COP in kalten Nahwärmenetzen

Überblick

Abnehmer sind die Verbraucherknoten des Netzes – die Anschlusspunkte, an denen ein Gebäude Wärme (in kalten Nahwärmenetzen auch Kälte) aus dem Netz entnimmt. Jeder Abnehmer trägt eine Anschlussleistung und ein Bedarfsmodell, das den zeitlichen Verlauf von Heiz-, Kühl- und Trinkwarmwasserbedarf beschreibt. Der Reiter Gebäudebedarf in den Netzeigenschaften stellt diese Kenngrößen als Falschfarben im Netz dar, zeigt Leistungs- und Bedarfssummen über alle Abnehmer und dient zum Bearbeiten der Anschlussleistung; in kalten Nahwärmenetzen zusätzlich der Wärmepumpen-Kopplung mit COP.

Aufruf

Die Schaltfläche Netz in der Werkzeugleiste der 3D-Ansicht öffnet die Netzeigenschaften (verfügbar, sobald das Projekt ein Netz enthält, siehe Benutzeroberfläche und Navigation). Dort den Reiter Gebäudebedarf wählen. Der Inhalt hängt von der Auswahl ab:

  • Keine Abnehmer ausgewählt: Summenanzeige über alle Abnehmer des aktiven Netzes
  • Ein oder mehrere Abnehmerknoten ausgewählt: Eigenschaften der ausgewählten Abnehmer
Reiter Gebäudebedarf mit Farbmodus-Auswahl und Summenanzeige der Abnehmer
Reiter Gebäudebedarf ohne Auswahl: Farbmodus, Bedarfssummen über alle Abnehmer und die Schaltflächen für Tabellen-Editor und Smart Select

Farbmodus

Das Auswahlfeld Farbmodus: bestimmt, welche Kenngröße der Abnehmer farbig im Netz dargestellt wird. Numerische Größen werden auf eine kontinuierliche Farbskala mit Legende abgebildet, kategoriale Größen erhalten je Kategorie eine eigene Farbe.

EintragDarstellung
Anschlussleistung [kW]numerisch (Standard)
Heizleistung [kW]numerisch
Heizenergiebedarf [MWh]numerisch
Kühlleistung [kW]numerisch
Kühlenergiebedarf [MWh]numerisch
Energiebedarf für Warmwasser [kWh]numerisch
Warmwasser-Vorlauftemperatur [C]numerisch
Bodenfläche [m²]numerisch
Bedarfsmodellkategorial, eine Farbe je Modelltyp
Gebäudetypkategorial, eine Farbe je Gebäudetyp
Heizkurvekategorial, eine Farbe je zugewiesener Heizkurve
COP [-]numerisch, nur in kalten Nahwärmenetzen verfügbar

Summenanzeige

Ohne Auswahl zeigt der Reiter die Summen über alle Abnehmer des aktiven Netzes:

AnzeigeEinheitInhalt
Gesamte Anschlussleistung:kWSumme der Anschlussleistungen aller Abnehmer
Summierte Heizlast:kWSumme der maximalen Heizleistungen aus den Bedarfsmodellen
Summierter Wärmebedarf:MWhSumme der Jahres-Heizenergiebedarfe einschließlich Trinkwarmwasser
Summierter Kältebedarf:MWhSumme der Jahres-Kühlenergiebedarfe; nur sichtbar, wenn größer 0

Verwenden Abnehmer benutzerdefinierte Zeitreihen aus Dateien, werden die Kennwerte beim Öffnen aus den TSV-Dateien gelesen (Fortschrittsanzeige Lesen von Zeitreihen aus Dateien).

Darunter stehen zwei Schaltflächen:

  • Gebäudebedarfstabelle … öffnet den Tabellen-Editor zum Bearbeiten, Importieren und Exportieren aller Gebäudebedarfe, siehe Gebäudebedarfe bearbeiten
  • Smart Select … öffnet den Smart-Select-Dialog zum Filtern und Auswählen von Netzknoten

Smart Select

Der Smart-Select-Dialog wählt Netzknoten nach Kriterien aus: Netz, Objekttyp, Namensfilter, ID-Filter sowie frei kombinierbare Eigenschaftsfilter mit den Spalten Eigenschaft, Operator, Wert und Einheit. So lassen sich z. B. alle Abnehmer oberhalb einer bestimmten Heizleistung selektieren und anschließend gemeinsam bearbeiten.

Anschlussleistung

Bei ausgewählten Abnehmerknoten erscheint das Feld Anschlussleistung: in kW. Die Anschlussleistung ist die installierte Leistung am Anschlusspunkt des Abnehmers. Zusammen mit der Nenn-Temperaturdifferenz wird sie für die Auslegung automatisch dimensionierter Wärmeübertrager, Übergabestationen und Wärmepumpen benötigt; optional dient sie auch als Dimensionierungsleistung für die Rohrdimensionierung und die stationäre Berechnung. In konventionellen Netzen entspricht sie bei genau dimensionierter Übergabestation dem Spitzenwert der Bedarfszeitreihe; bei nachträglich verändertem Gebäudebestand (z. B. Sanierung) kann sie darüber liegen.

Die Schaltfläche neben dem Feld berechnet die Anschlussleistung der ausgewählten Abnehmer aus dem Spitzenwert ihres Gebäudebedarfs (einschließlich Trinkwarmwasser) neu.

Praxis-Tipp:

Die Anschlussleistung ist die Stellschraube für die Netzauslegung – prüfen Sie sie vor jeder Dimensionierung. Weicht sie durch nachträgliche Bedarfsänderungen vom tatsächlichen Spitzenwert ab, dimensionieren Sie unbemerkt auf einen veralteten Wert. Mit der Schaltfläche neben dem Feld setzen Sie sie für die ausgewählten Abnehmer auf den aktuellen Spitzenwert des Gebäudebedarfs – bei Mehrfachauswahl in einem Schritt.

Bei Mehrfachauswahl mit unterschiedlichen Werten zeigt das Feld ”-”; eine Eingabe wird auf alle ausgewählten Abnehmer übernommen.

Wärmepumpe und COP (nur kalte Nahwärmenetze)

In kalten Nahwärmenetzen stehen zusätzlich das Kontrollkästchen Über Wärmepumpe angeschlossen und das Feld COP zur Verfügung. Ist die Option aktiviert, wird zwischen Netz und Gebäude eine Wärmepumpe angenommen und die Anschlussleistung automatisch aus der maximalen Heizleistung berechnet:

PAnschluss=PHeizung(11COP)P_\mathrm{Anschluss} = P_\mathrm{Heizung} \cdot \left(1 - \frac{1}{COP}\right)

EigenschaftEinheitBereichBedeutung
Über Wärmepumpe angeschlossenan/ausWärmepumpe zwischen Netz und Gebäude; für kalte oder Niedertemperaturnetze aktivieren, bei denen die Gebäude-Wärmepumpe die Vorlauftemperatur lokal anhebt
COP1,0–20,0Leistungszahl unter Nennbedingungen; wird ausschließlich zur Berechnung der Anschlussleistung für die Rohrdimensionierung verwendet und beeinflusst die dynamische Simulation nicht

Bei aktiver Wärmepumpe ist das Feld Anschlussleistung: gesperrt, da der Wert automatisch berechnet wird. Der Farbmodus COP [-] stellt die eingetragenen Leistungszahlen im Netz dar.

Hinweise

  • Wird die Heizlast eines Abnehmers im Bedarfsmodell geändert, fragt VICUS Districts nach, ob die Anschlussleistung mit angepasst werden soll (Anschlussleistung ebenfalls anpassen bzw. Ursprüngliche Anschlussleistung beibehalten).
  • Die Summenanzeige nutzt stets die tatsächlichen Bedarfswerte der Modelle; bei Zeitreihen aus Dateien kann das erste Einlesen bei vielen Abnehmern einen Moment dauern.

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