Glossar
Deutsche und englische Fachbegriffe aus VICUS Districts mit Kurzdefinitionen: Netztopologie, Auslegung, Berechnung und Anlagen
Überblick
Dieses Glossar erklärt die zentralen Fachbegriffe aus VICUS Districts und ordnet sie den englischen Begriffen der Benutzeroberfläche und des Datenmodells zu. Die Tabellen sind nach Themenbereichen gegliedert: Netztopologie, Wärmebedarf und Auslegung, Berechnung und Ergebnisse sowie Anlagen und Regelung.
Netztopologie
| Begriff | UI-/Datenmodell-Begriff (EN) | Kurzdefinition |
|---|---|---|
| Abnehmer | Consumer | Wärmeverbraucher im Netz, z. B. ein Gebäude. Jedem Abnehmer wird eine Anschlussleistung oder ein Bedarfsprofil zugewiesen. |
| Übergabestation | SubStation | Knotentyp für Abnehmer: der Punkt, an dem Wärme aus dem Netz an das Gebäude übergeben wird. |
| Energiezentrale | Source / Energy center | Einspeiseknoten des Netzes; hier sitzen Wärmeerzeugung und in der Regel die Netzpumpe. |
| Mixer | Mixer | Verzweigungs- oder Zwischenknoten ohne Abnehmerfunktion. An Mixer-Knoten werden Rohrformstücke (z. B. T-Stücke, Bögen) zugewiesen. |
| Knoten | Node | Sammelbegriff für alle Netzpunkte: Übergabestationen, Energiezentralen und Mixer. |
| Trasse / Kante | Edge | Verbindung zwischen zwei Knoten; repräsentiert den Leitungsabschnitt mit Länge und zugewiesenem Rohr. |
| Vorlauf | Supply pipe | Leitung, die das warme Fluid von der Energiezentrale zu den Abnehmern führt. |
| Rücklauf | Return pipe | Leitung, die das abgekühlte Fluid von den Abnehmern zurück zur Energiezentrale führt. |
| Aktives Netz | Active network | Das aktuell zur Bearbeitung und Berechnung ausgewählte Netz, wenn ein Projekt mehrere Netze enthält. |
| Koordinatenursprung | World coordinate origin | Bezugspunkt des Projekts in UTM-Koordinaten. Alle Geometrie- und Netzkoordinaten werden relativ zu diesem Ursprung gespeichert; seine Z-Koordinate legt das absolute Höhenniveau des Projekts fest. |
| UTM-Zone | UTM zone | Zone des UTM-Koordinatensystems, in der die Projektkoordinaten liegen. Sie wird beim Import georeferenzierter Daten (z. B. OSM oder GIS) erkannt und zusammen mit dem Koordinatenursprung gespeichert. |
| Geländehöhe / Knotenhöhe | Node elevation | Höhe eines Netzknotens als Z-Koordinate relativ zum Koordinatenursprung; die absolute Höhe ergibt sich erst durch Addition der Z-Koordinate des Ursprungs. Ein Geländemodell wird nicht vorgehalten. Ohne Höhenabfrage liegen alle Knoten bei 0 m. |
Wärmebedarf und Auslegung
| Begriff | UI-/Datenmodell-Begriff (EN) | Kurzdefinition |
|---|---|---|
| Anschlussleistung | Connection power | Nennwärmeleistung eines Abnehmers in kW; Grundlage der Rohrdimensionierung. Unterschieden werden Anschlussleistung (nominal) und Anschlussleistung (installierte Kapazität). |
| Gleichzeitigkeit | Diversity | Zeitliche Überlagerung der Spitzenlasten mehrerer Abnehmer. Die Gleichzeitigkeitsoptimierung verschiebt Bedarfsprofile zeitlich, um realistische Summenlasten zu erhalten. |
| Teillastanteil | Part load ratio | Anteil der Anschlussleistung, der in der stationären Berechnung als Last eines Abnehmers angesetzt wird. |
| Rohrformstück / Rohrfitting | Pipe fitting | Formteile wie Bögen und T-Stücke; verursachen zusätzliche Druckverluste und werden im Massenauszug mitgezählt. |
| Massenauszug | Bill of materials | Tabellarische Auflistung der verbauten Rohrlängen und Formstücke des Netzes, z. B. für Kostenschätzung und Ausschreibung. |
Berechnung und Ergebnisse
| Begriff | UI-/Datenmodell-Begriff (EN) | Kurzdefinition |
|---|---|---|
| Betriebspunkt | Operating point | Lastfall der stationären Berechnung (z. B. Volllast oder ein Teillastfall); Ergebnisse werden je Betriebspunkt gespeichert und dargestellt. |
| Schlechtpunkt | Index point | Hydraulisch ungünstigster Punkt des Netzes, an dem der Differenzdruck am schwersten einzuhalten ist. |
| Druck der Druckhaltung | Setpoint of pressure maintenance | Überdruck, der an einem frei wählbaren Referenzknoten angesetzt wird; legt das Druckniveau des gesamten Netzes fest. Jeder andere Knotendruck ergibt sich daraus über die Druckverluste und die Höhendifferenz gegenüber diesem Knoten. Fachlich der Ruhedruck, siehe Druckberechnung im Netz. |
| Geodätische Höhe | Geodetic height | Höhenlage entlang der betrachteten Trasse, im Netzbericht als drittes Diagramm des Druckprofils über der Trassenlänge dargestellt. Sie stammt aus den Knotenhöhen und ist damit ebenfalls auf den Koordinatenursprung bezogen. |
| Statischer bzw. geodätischer Druckanteil | Geodetic pressure component | Druckanteil aus der Höhenlage eines Knotens; rund 1 bar je 10 m Höhendifferenz, also etwa 0,1 bar je Meter. Er geht nicht in die Lösung des hydraulischen Gleichungssystems ein, sondern wird auf die Druckgrößen der Ergebnisdarstellung addiert. |
| Betriebsdruck | Operating pressure | Druck, der tatsächlich in den Rohren ansteht: der Überdruck einschließlich des geodätischen Anteils. An dieser Größe werden die Druckgrenzen geprüft — in der Statuszeile des Streckenprofils und im Netzbericht. Weil es ein Überdruck ist, lässt er sich unmittelbar mit PN, MOP und den Angaben einer TAB vergleichen. |
| Druck ohne geodätischen Anteil | Pressure without the geodetic component | Druckverlauf ohne den geodätischen Anteil, also der auf dem Weg durch Reibung verlorene Druck. Die Steilheit der Kurven zeigt, in welchen Abschnitten viel Druck verloren geht; im Netzbericht heißt das Diagramm Druckverlustlinie. |
| Überdruck | Gauge pressure | Druck über dem Atmosphärendruck, so wie ein Manometer ihn anzeigt. Nenndruckstufen und die Angaben der Technischen Anschlussbedingungen sind Überdrücke — und ebenso alle von VICUS Districts berechneten Netzdrücke. |
| Nenndruck PN | Nominal pressure (PN) | Druckstufe eines Rohres als Überdruck in bar, z. B. PN 16. Bei der Druckprüfung bestimmt die niedrigste Stufe auf dem geprüften Weg den zulässigen Betriebsdruck. Überdruck wird gegen Überdruck geprüft, die Prüfung ist damit exakt. Ein Rohr ohne zugewiesene Nenndruckstufe bekommt keine Obergrenze. |
| Minimaler Betriebsdruck | min. operating pressure | Untere Druckgrenze der Druckprüfung: Dampfdruck an der heißesten Stelle des geprüften Weges zuzüglich des Sicherheitszuschlags Mindestdruck, abzüglich des Atmosphärendrucks — der Dampfdruck ist ein Absolutdruck, der geprüfte Verlauf ein Überdruck. Der Vorgabewert von 1,5 bar setzt sich aus 0,5 bar Verdampfungsschutz (breiter fachlicher Konsens) und rund 1,0 bar Planungsempfehlung für Regeltoleranz und instationäre Vorgänge zusammen, siehe Betriebsdrücke in Wärmenetzen einhalten. |
| Drucküberschreitung | Pressure exceedance | Betrag, um den der Betriebsdruck den zulässigen Druck des Rohres überschreitet; 0, solange die Grenze hält. Ersetzt die frühere Größe Überdruck der Ergebnisliste und meldet ausschließlich Überschreitungen — es gibt keinen negativen Ast. |
| Atmosphärendruck | Ambient pressure | Luftdruck an der Höhe des Projekts, nach der Normatmosphäre aus der z-Koordinate des Koordinatenursprungs berechnet und nicht eingebbar. Auf Meereshöhe 1,013 bar, auf 1000 m 0,899 bar. Er wird an genau einer Stelle gebraucht: beim Umrechnen des Dampfdrucks auf die Überdruck-Ebene. |
| Temperaturdifferenz (Spreizung) | Temperature difference | Differenz zwischen Vorlauf- und Rücklauftemperatur; bestimmt zusammen mit der Leistung den Massenstrom. |
| Falschfarben | False colors | Einfärbung der Netzelemente in der 3D-Szene nach einer Ergebnisgröße, z. B. Druckverlust oder Temperatur. |
Anlagen und Regelung
| Begriff | UI-/Datenmodell-Begriff (EN) | Kurzdefinition |
|---|---|---|
| Anlage | Sub network | Wiederverwendbare hydraulische Schaltung aus Komponenten (z. B. Pumpe, Wärmetauscher, Wärmepumpe), die einem Netzknoten zugewiesen wird. |
| Vereinfachte Energiezentrale | Simplified energy center (pump + heater) | Vordefinierte Anlage für die Energiezentrale, bestehend aus Pumpe und idealem Wärmeerzeuger. |
| Vereinfachter Verbraucher | Simplified consumer (pressure loss only) | Vordefinierte Abnehmer-Anlage, die nur den Druckverlust abbildet. |
| Heizkurve | Heating curve | Vorlauftemperatur als Funktion der Außentemperatur; steuert die Austrittstemperatur der Energiezentrale. |
| Schlechtpunktregler | Index point controller | Regler, der die Druckdifferenz am Schlechtpunkt des Netzes überwacht und die Pumpe entsprechend regelt. |