Konstruktions-Wärmeleitung
Instationäre eindimensionale Wärmeleitung durch mehrschichtige Konstruktionen: Finite-Volumen-Diskretisierung mit Streckungsfaktor, Randflüsse aus Wärmeübergang und Strahlung sowie Wärmequellen in der aktiven Schicht
Überblick
Jede Fläche mit zugewiesenem Bauteil wird als Konstruktionsinstanz simuliert: instationäre, eindimensionale Wärmeleitung durch den mehrschichtigen Bauteilaufbau. Zwei Modelle teilen sich die Arbeit:
- Das Konstruktions-Zustandsmodell diskretisiert den Schichtaufbau in Finite-Volumen-Elemente und berechnet aus den bilanzierten Energiedichten die Elementtemperaturen, Oberflächentemperaturen und die internen Leitungsflüsse.
- Das Konstruktions-Bilanzmodell setzt die Randflüsse an beiden Oberflächen an (Seite A und Seite B) und stellt die Energiebilanz jedes Elements auf.
Bilanzgleichung
Je Element mit Breite wird die volumenbezogene Energiedichte bilanziert:
Die Leitungsflüsse zwischen benachbarten Elementen werden aus den Elementtemperaturen mit gewichteten Wärmeleitfähigkeiten der beteiligten Materialien gebildet. Materialkennwerte (Rohdichte , spezifische Wärmekapazität , Wärmeleitfähigkeit ) stammen aus der Materialdatenbank. Startwert aller Elemente ist die Anfangstemperatur.
Diskretisierung (Gittererzeugung)
Die Feinheit des Rechengitters steuern drei Solver-Parameter (NANDRAD SolverParameter, Standardwerte in Klammern):
| Parameter | Standard | Wirkung |
|---|---|---|
DiscMinDx | 2 mm | Minimale Elementbreite am Schichtrand |
DiscStretchFactor | 4 | Streckungsfaktor des Gitters |
DiscMaxElementsPerLayer | 20 | Maximale Elementzahl je Materialschicht |
Abhängig vom Streckungsfaktor gilt:
- Streckungsfaktor 0 — keine Verfeinerung: Jede innere Materialschicht wird zu genau einem Element, die beiden Randschichten werden in je zwei Elemente geteilt (Grobgitter, z. B. für schnelle Voruntersuchungen).
- Streckungsfaktor 1 — äquidistantes Gitter mit Elementbreiten von etwa
DiscMinDxje Schicht. - Sonst (Standard) — beidseitig verdichtetes Gitter je Schicht (tanh-Streckung): feine Elemente an den Schichträndern, gröbere in Schichtmitte. Je Schicht werden mindestens 3 Elemente erzeugt; die Elementzahl wird erhöht, bis das Randelement höchstens das 1,1-fache von
DiscMinDxerreicht, maximal bisDiscMaxElementsPerLayer(dann wird der Streckungsfaktor automatisch vergrößert und eine Warnung protokolliert).
Sehr dünne Schichten (< 1 mm) erzeugen eine Warnung — sie beeinflussen das Ergebnis kaum, verschlechtern aber die numerische Performance.
Randbedingungen (Seite A / Seite B)
An beiden Oberflächen setzt das Bilanzmodell die in den Randbedingungen definierten Austauschmechanismen an:
- Wärmeübergang (konvektiv): mit dem Wärmeübergangskoeffizienten ; Umgebung ist je nach Lage die angrenzende Zone, die Außenluft oder eine feste Temperatur (Erdreich/Schema).
- Kurzwellige Strahlung: absorbierter Anteil der auftreffenden Solarstrahlung (Absorptionskoeffizient der Randbedingung); außen aus dem Strahlungsmodell inklusive Verschattungsfaktoren, innen aus der Solarverteilung der Fenstergewinne.
- Langwellige Strahlung: Emission und absorbierte Gegenstrahlung; bei langwelligem Strahlungsaustausch zwischen Innenflächen werden vorberechnete Sichtfaktoren verwendet (automatische View-Factor-Berechnung beim Simulationsstart).
Fehlt an einer Seite die Randbedingung, verhält sich die Fläche dort adiabat. Als Ergebnisgrößen stehen u. a. FluxHeatConductionA/B [W], die flächenspezifischen Varianten [W/m²], FluxShortWaveRadiationA/B, FluxLongWaveRadiationA/B sowie die Oberflächentemperaturen SurfaceTemperatureA/B zur Verfügung.
Aktive Schicht (Flächenheizung)
Ist im Bauteil eine aktive Schicht definiert (Flächenheizung zuweisen), nimmt die Konstruktion die Last ActiveLayerThermalLoad des zugeordneten Heizmodells auf. Die Last wird als volumetrische Quelle gleichmäßig auf alle Elemente der aktiven Schicht verteilt:
Zusätzlich stellt das Zustandsmodell die mittlere Temperatur der aktiven Schicht bereit, die z. B. das ideale Rohrregister als Rücklauf-Referenz nutzt.
Gut zu wissen:
Die Standarddiskretisierung ist für Jahressimulationen ein guter Kompromiss aus Genauigkeit und Rechenzeit. Die feinen Randelemente sind wichtig, weil dort die größten Temperaturgradienten auftreten — etwa bei der Auswertung von Oberflächentemperaturen oder bei Flächenheizungen. Ein Bauteil, das in der Bilanz „zu träge“ oder „zu schnell“ wirkt, hat seine Ursache dagegen fast immer im Schichtaufbau selbst, nicht im Gitter.