Heizkurven
Die Heizkurven-Datenbank: Solltemperatur über der Außentemperatur, Anwendungstypen für idealen Erzeuger und Übergabestation, Kurventypen sowie der direkte Dialogaufruf zum Vergleich beider Kurven
Überblick
Eine Heizkurve beschreibt eine Solltemperatur in Abhängigkeit der Außentemperatur. Sie ist ein Datenbankelement und steht projektübergreifend zur Verfügung. Im Netzkontext liefert sie den Temperatur-Sollwert an zwei Stellen: als Vorlauftemperatur des Netzes für den Wärmeerzeuger in der Energiezentrale und als Heizkurve des Gebäudes für die Sekundärseite der Übergabestation. Der Anwendungstyp legt fest, wofür eine Kurve gilt – und welche Kurventypen zur Auswahl stehen.
Aufruf
Menü Datenbanken > Heizkurven … öffnet die Heizkurven-Datenbank. Die Liste zeigt alle Heizkurven mit den Spalten Id, Name, Typ (Kurventyp) und Anwendung (Anwendungstyp).
Direkt über das Menü geöffnet, dient der Dialog dem Ansehen und Bearbeiten vorhandener Kurven beider Anwendungstypen; die Schaltflächen zum Hinzufügen, Kopieren und Entfernen sind hier ausgeblendet. Neue Kurven legen Sie dort an, wo sie zugewiesen werden – an der Erzeugerkomponente (Vorlauftemperatur des Netzes) bzw. im Gebäudebedarf (Heizkurve des Gebäudes); dort ist die Liste auf den passenden Anwendungstyp gefiltert und die Bearbeitungsschaltflächen sind verfügbar.
Anwendungstyp
Jede Heizkurve hat einen Anwendungstyp, der beim Anlegen festgelegt wird:
- Vorlauftemperatur des Netzes – Sollwert für den Wärmeerzeuger in der Energiezentrale; Zuweisung an der Anlagenkomponente (z. B. idealer Erzeuger).
- Heizkurve des Gebäudes – Vor- und Rücklauftemperatur auf der Sekundärseite der Übergabestation; Zuweisung im Gebäudebedarf.
Der Anwendungstyp entscheidet auch, welche Kurventypen möglich sind – benutzerdefinierte Zeitreihen gibt es nur für die Vorlauftemperatur des Netzes:
| Kurventyp | Vorlauftemperatur des Netzes | Heizkurve des Gebäudes |
|---|---|---|
| Konstant | ✓ | ✓ |
| Lineare Funktion | ✓ | ✓ |
| Wurzelfunktion | ✓ | ✓ |
| Benutzerdefinierte Zeitreihen aus Werten | ✓ | – |
| Benutzerdefinierte Zeitreihen aus Datei | ✓ | – |
Kurventypen
Der Kurventyp (Typ) bestimmt, wie der Sollwert aus der Außentemperatur berechnet wird:
| Kurventyp | Parameter |
|---|---|
| Konstant | Sollwert der Temperatur in °C – witterungsunabhängig konstant |
| Lineare Funktion | Sollwert bei minimaler/maximaler Umgebungstemperatur (°C) sowie minimale/maximale Umgebungstemperatur (°C); außerhalb dieses Bereichs bleibt der Sollwert konstant |
| Wurzelfunktion | Raumtemperatur (°C), Anstieg (0,1–3,0) und Offset |
| Benutzerdefinierte Zeitreihen aus Werten | Stützstellen direkt eingeben bzw. aus der Zwischenablage einfügen |
| Benutzerdefinierte Zeitreihen aus Datei | Jahreszeitreihe aus einer TSV-Datei |
Die Wurzelfunktion bildet das typische Heizkörperverhalten ab:
mit Anstieg , Offset , Außentemperatur und Heizkörperexponent .
Das Diagramm im Dialog zeigt den Sollwert über der Umgebungstemperatur. Bei den analytischen Kurven (konstant, linear, Wurzel) sinkt der Vorlauf-Sollwert mit steigender Außentemperatur. Eingebaute Kurven sind schreibgeschützt und lassen sich als Kopie anpassen.
Vorlauftemperatur für den idealen Erzeuger
Der ideale Wärme-/Kälteerzeuger – und ebenso die vereinfachte Energiezentrale – benötigt eine Heizkurve vom Anwendungstyp Vorlauftemperatur des Netzes. Sie liefert den Sollwert, auf den das Fluid am Erzeugeraustritt gebracht wird. Als Vorlauftemperatur stehen damit zur Verfügung:
- Konstante Vorlauftemperatur – über eine konstante Heizkurve (z. B. ganzjährig 70 °C).
- Witterungsgeführte Vorlauftemperatur – über die lineare oder die Wurzelfunktion; der Sollwert folgt der Außentemperatur.
- Eigene Zeitreihe – als benutzerdefinierte Zeitreihe aus Werten (direkt eingegeben oder aus der Zwischenablage) oder aus einer TSV-Datei, etwa ein gemessenes oder geplantes Vorlauftemperatur-Profil.
Zugewiesen wird die Kurve in den Einstellungen des Erzeugers; die Schaltfläche dort öffnet den Heizkurven-Dialog, gefiltert auf die Vorlauftemperatur des Netzes. In der Betriebsart mit vorgegebener Heizleistung wirkt die Heizkurve zusätzlich als Obergrenze der Vorlauftemperatur – siehe Idealer Erzeuger.
Heizkurve der Übergabestation einstellen
Die Übergabestation bestimmt ihre Sekundärseite (Gebäudeheizung) aus einer Heizkurve vom Anwendungstyp Heizkurve des Gebäudes. Diese wird je Abnehmer im Gebäudebedarf zugewiesen:
- Abnehmerknoten in der 3D-Szene auswählen, Reiter Gebäudebedarf – oder den Tabellen-Editor über Menü Netzwerk > Gebäudebedarfe bearbeiten … öffnen.
- Im Feld Heizkurve: eine Kurve aus der Datenbank zuweisen; dieselbe Kurve lässt sich für mehrere Abnehmer wiederverwenden.
Für diese Sekundär-Heizkurve stehen nur die analytischen Kurventypen Konstant, Lineare Funktion und Wurzelfunktion zur Verfügung – benutzerdefinierte Zeitreihen sind hier nicht möglich. Zusätzlich wird die Temperaturdifferenz zwischen Vor- und Rücklauf in K angegeben: Aus ihr ergibt sich die sekundäre Rücklauftemperatur, und das Diagramm zeigt dann beide Kurven – Vorlauftemperatur (rot) und Rücklauftemperatur (blau). Der Farbmodus Heizkurve im Reiter Gebäudebedarf macht die Zuweisungen im Netz sichtbar. Details zur Wirkung auf der Sekundärseite: Übergabestation.
Praxis-Tipp:
Rufen Sie die Heizkurven-Datenbank direkt über Datenbanken > Heizkurven … auf: Dann sehen Sie in einer Liste sowohl die Vorlauftemperatur des Erzeugers als auch die sekundärseitige Heizkurve des Gebäudes. So prüfen Sie die entscheidende Bedingung für die Übergabestation auf einen Blick – die Netzvorlauftemperatur (Erzeugerkurve) muss über dem sekundären Vorlauf-Sollwert (Gebäudekurve) liegen, und zwar um mindestens die logarithmische Auslegungs-Temperaturdifferenz der Station. Liegt die Erzeugerkurve zu dicht an der Gebäudekurve, kann die Station den Bedarf nicht decken. Neue Kurven legen Sie weiterhin über die Erzeuger- bzw. Gebäudebedarf-Einstellungen an.