Formstücke (Rohrfittinge)

Automatische Zuordnung von Formstücken an Netzknoten: Bögen, T-Stücke, Parallelabzweige, Reduzierungen und Druckverlustbeiwerte

Überblick

VICUS Districts weist den Knoten des Wärmenetzes automatisch Formstücke (Rohrfittinge) zu: Bögen an Richtungsänderungen, T-Stücke oder Parallelabzweige an Verzweigungen sowie Reduzierstücke und Aufweitungen an Durchmesserwechseln. Die Formstücke gehen mit ihren Druckverlustbeiwerten (Zeta-Werten) in die Druckverlustberechnung ein und erscheinen im Massenauszug. Die Zuweisung erfolgt automatisch nach jeder Rohrdimensionierung und kann manuell neu angestoßen werden.

Aufruf

  • Einstellungen: Schaltfläche Einstellungen für Rohrfittinge … im Dialog Netzwerk > Rohre dimensionieren … (Bereich Eigenschaften des Netzes) - öffnet den Dialog Einstellungen für Rohrfittinge
  • Neuberechnung: Schaltfläche Rohrfittinge neu berechnen … im Reiter Rohre des Netzwerk-Eigenschaftsfensters

Bögen

Im Bereich Zuweisungsmethode wird festgelegt, wie Richtungsänderungen im Trassenverlauf auf Standardbögen abgebildet werden:

OptionStandardBedeutung
Rohrbogen mit nächstgelegenem Winkel wählenausgewähltJede Biegung erhält den verfügbaren Standardbogen (90°, 60°, 45° oder 30°), dessen Nennwinkel dem tatsächlichen Biegewinkel am nächsten liegt - unabhängig von der Abweichung. Individuelle Bögen werden in diesem Modus nicht erzeugt.
Rohrbogen innerhalb der vorgegebenen Toleranz wählen:Toleranz 5°Ein Standardbogen wird nur verwendet, wenn der Biegewinkel innerhalb der Toleranz zu einem aktivierten Bogentyp liegt; andernfalls wird ein Individueller Bogen mit eigenem Zeta-Wert zugewiesen, der den exakten Winkel beibehält.

Im Bereich Verfügbare Rohrbögen legen Checkboxen fest, welche Bogentypen die Zuweisung verwenden darf: Bogen 90° ist immer aktiv und nicht abwählbar; Bogen 60°, Bogen 45° und Bogen 30° sind optional. Die Checkbox Individueller Bogen wird automatisch von der Zuweisungsmethode gesteuert: Sie ist bei der Toleranz-Methode aktiviert, bei der Methode des nächstgelegenen Winkels deaktiviert.

T-Stücke und Parallelabzweige

Im Bereich T-Stücke / Parallelabzweige wird bestimmt, wie Verzweigungen - insbesondere Hausanschlüsse - modelliert werden:

OptionBedeutung
Immer T-Stücke verwendenJede Verzweigung, auch Hausanschlüsse, wird als rechtwinkliges T-Stück modelliert – die einfachste Topologie.
Parallelabzweige für alle Hausanschlussleitungen verwenden (Standard)Jeder Hausanschluss wird als Parallelabzweig modelliert: Die Anschlussleitung verläuft zunächst ein Stück parallel zur Hauptleitung, bevor sie abknickt. Dies bildet die in der Praxis übliche Bauform für Hausanschlüsse erdverlegter vorgedämmter Leitungen ab (vgl. AGFW FW 401).
Parallelabzweige nur für Hausanschlussleitungen verwenden, die länger sind als:Parallelabzweig nur für Anschlussleitungen oberhalb der Schwellenlänge (Standard: 5 m); kürzere Stutzen erhalten ein einfaches T-Stück.

Die Wahl wirkt sich nur auf die modellierte Verzweigungs-Topologie und damit auf die im Massenauszug ausgewiesenen Formstücke und den zugehörigen Druckverlust aus. Die mechanische Wärmedehnung der Leitungen selbst berechnet VICUS Districts nicht – sie ist jedoch der maßgebliche Planungsgrund für die Wahl der Bauform (siehe Hinweis unten).

Zusätzlich:

OptionStandardBedeutung
T-Stücke können 3 verschiedene Abzweigdurchmesser habendeaktiviertErlaubt T-Stücke mit drei unterschiedlichen Durchmessern (Eingang Hauptstrang, Ausgang Hauptstrang, Abzweig). Solche T-Stücke sind herstellerspezifisch; deaktiviert behält der Hauptstrang einen Durchmesser und nur der Abzweig darf abweichen.

An Durchmesserwechseln entlang einer Trasse werden automatisch Reduzierstücke (im Vorlauf) bzw. Aufweitungen (im Rücklauf) eingefügt.

Gut zu wissen:

In der realen Bauausführung nimmt der Parallelabzweig die axiale Wärmedehnung der Hauptleitung auf, bevor sie als Schub in die Schweißnaht des Abzweigs gelangt; ein starres rechtwinkliges T-Stück überträgt diese Dehnung direkt in die Naht. Deshalb ist der Parallelabzweig bei erdverlegten vorgedämmten Leitungen die Standardlösung. VICUS Districts berechnet diese Wärmedehnung und die daraus resultierenden Spannungen nicht – dennoch sollten Sie die Vorgabe beibehalten, damit Ihr Modell (Formstücke, Längen, Druckverlust) der späteren Ausführung entspricht, sofern Ihr Verlegesystem nicht ausdrücklich T-Stücke vorsieht.

Druckverlustbeiwerte (Zeta-Werte)

Die Tabelle Druckverlustkoeffizienten (zeta) listet je Formstück-Typ den Zeta-Wert [-]; die Werte sind editierbar. Standardwerte:

FittingtypZeta-Wert [-]
Bogen 90°0,5
Bogen 60°0,4
Bogen 45°0,325
Bogen 30°0,25
Individueller Bogen0,5
Reduzierstück0,3
Aufweitung0,37
T-Stück Vereinigung1,25
T-Stück Auftrennung1,9

Vor- und Rücklauf werden getrennt behandelt: Im Vorlauf wirken T-Stücke als Auftrennung und Durchmesserwechsel als Reduzierstück, im Rücklauf als Vereinigung bzw. Aufweitung.

Ist Interne Gleichungen für Reduzierstücke/Erweiterungen verwenden aktiviert (Standard), werden die Zeta-Werte von Reduzierstück und Aufweitung nicht aus der Tabelle übernommen, sondern aus dem Durchmesserverhältnis berechnet (bezogen auf den kleineren Innendurchmesser dkd_k, größerer Durchmesser dgd_g):

ζReduzierstu¨ck=(0,7071(dkdg)2)2ζAufweitung=(1(dkdg)2)2\zeta_{\text{Reduzierstück}} = \left(0{,}707 \sqrt{1 - \left(\tfrac{d_k}{d_g}\right)^2}\,\right)^2 \qquad \zeta_{\text{Aufweitung}} = \left(1 - \left(\tfrac{d_k}{d_g}\right)^2\right)^2

Die Schaltfläche Zurücksetzen auf Standardwerte stellt alle Zeta-Werte auf die obigen Standardwerte zurück.

Neuberechnung

Die Formstücke werden nach jeder Rohrdimensionierung automatisch zugewiesen. Nach manuellen Änderungen (z. B. Rohrtausch einzelner Trassen) stößt Rohrfittinge neu berechnen … im Reiter Rohre die Zuweisung erneut an; dabei öffnet sich zunächst der Dialog Einstellungen für Rohrfittinge, anschließend erfolgt die Zuweisung. Für die Dimensionierung gesperrte Knoten werden dabei übersprungen; eine Meldung nennt die Anzahl der ausgelassenen Knoten.

Anzeige im Modell

Im Reiter Rohre stellt der Anzeigemodus Rohrfittingeigenschaften die Fitting-Zuordnung farbcodiert im Modell dar. Die Legende unterscheidet die Kategorien Gültig (grün), Ungültig (rot) und Nicht zugewiesen (gelb); über die Schaltfläche Auswählen lassen sich die Knoten der markierten Kategorie in der Szene selektieren. Sind ungültige Fittinge vorhanden, weist ein Hinweisbanner mit deren Anzahl darauf hin. Bei Auswahl eines Knotens zeigt eine Tabelle die dort zugeordneten Formstücke mit Name und Anzahl.

Verwandte Themen

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Neue Features, Tutorials und Updates direkt in Ihr Postfach.