Wärmepumpen
Das Wärmepumpenmodell mit biquadratischem COP-Polynom: quellenseitige Einbindung für kalte Nahwärme, versorgungsseitige Einbindung als zentraler Erzeuger, elektrische Leistung und Betriebsgrenzen
Überblick
Das Wärmepumpenmodell berechnet Leistungszahl (COP) und elektrische Leistung über ein biquadratisches Polynom aus Verdampfer- und Kondensatortemperatur, das an Herstellerdaten angepasst werden kann. Es gibt zwei Einbindungsvarianten:
- quellenseitig (Heat pump source side) – ein Abnehmermodell: Die Wärmepumpe sitzt beim Gebäude, ihr Verdampfer ist Teil des Netzes. Sie entnimmt dem Netz Wärme und hebt sie auf das Temperaturniveau der Gebäudeheizung. Typische Anwendungen: Abnehmer in der kalten Nahwärme sowie Booster-Wärmepumpen in Niedertemperaturnetzen, deren Vorlauftemperatur für Heizung oder Trinkwarmwasser einzelner Gebäude nicht ausreicht.
- versorgungsseitig (Heat pump supply side) – ein Modell für die Energiezentrale: Die Wärmepumpe speist als zentraler Erzeuger in das Netz ein, ihr Kondensator ist Teil des Netzes. Die Quellwärme bezieht sie von außen (z. B. Erdwärme, Abwärme).
Gut zu wissen:
Merkregel für die Einbindung: quellenseitig = die Wärmepumpe steht beim Gebäude und entnimmt dem Netz über ihren Verdampfer Wärme (kalte Nahwärme, Booster). Versorgungsseitig = die Wärmepumpe speist als zentraler Erzeuger über ihren Kondensator in das Netz ein. Gleiche COP-Physik, gegensätzliche Rolle im Netz.
COP-Berechnung
Der COP wird aus den mittleren Temperaturen von Verdampfer () und Kondensator (), jeweils in Kelvin, berechnet:
Die Koeffizienten werden im Komponenten-Editor als COP-Polynom hinterlegt und lassen sich aus Datenblatt-Kennfeldern (COP bei verschiedenen Quell-/Senkentemperaturen) anpassen. Die Standardkoeffizienten beschreiben eine typische Sole/Wasser-Wärmepumpe (z. B. COP ≈ 5,8 bei 10 °C Quell- und 35 °C Senkentemperatur).
Betriebsgrenzen des Modells:
- Zwischen Kondensator- und Verdampfertemperatur müssen mindestens 4 K liegen, sonst schaltet die Wärmepumpe ab.
- Ergibt das Polynom einen COP ≤ 1 (Betriebspunkt außerhalb des Kennfelds), schaltet die Wärmepumpe ebenfalls ab.
Elektrische Leistung und Verdampferleistung folgen aus der Energiebilanz:
Wärmepumpe quellenseitig (Abnehmer)
Diese Variante wird in Abnehmer-Anlagen eingesetzt – in der kalten Nahwärme als reguläre Übergabe an das Gebäude oder als Booster-Wärmepumpe. Die Kondensatorleistung ist der aktuelle Heizbedarf des Gebäudes, begrenzt durch die maximale Heizleistung. Die Kondensatortemperatur folgt aus der Heizkurve des Gebäudes (Temperaturniveau des Heizsystems). Dem Netz wird die Verdampferleistung entzogen – also der Gebäudebedarf abzüglich des elektrischen Anteils.
Bei negativem Gebäudebedarf (Kühlfall) arbeitet das Modell als passive Kühlung: Die Wärmepumpe ist aus, und die Kühllast wird dem Netz direkt als Wärme zugeführt – das übliche Sommerverhalten in kalten Nahwärmenetzen.
| Parameter | Einheit | Standard | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| Maximale Heizleistung | kW | – | Obergrenze der Kondensatorleistung; bei der dimensionierten Variante automatisch aus dem Gebäudebedarf |
| COP-Polynom | – | Standardkoeffizienten | Koeffizienten |
| Nennvolumenstrom | m³/h | 2 | Bezugsvolumenstrom für den Druckverlust; dimensionierte Variante: automatisch aus der Anschlussleistung |
| Nenndruckverlust | bar | 0,5 | Druckverlust beim Nennvolumenstrom (quadratische Skalierung) |
| Fluidvolumen | L | 3 | Fluidvolumen (netzseitig, Verdampfer) |
Wärmepumpe versorgungsseitig (zentraler Erzeuger)
Diese Variante wird in der Anlage der Energiezentrale eingesetzt. Als zentraler Erzeuger heizt die Wärmepumpe das Netz auf den Vorlauf-Sollwert der Heizkurve der Energiezentrale:
begrenzt durch die maximale Heizleistung. Die Verdampfertemperatur (Wärmequelle) wird als Randbedingung vorgegeben – konstant oder als Zeitreihe über den Reiter Wärmeaustausch. Eine Heizkurve ist erforderlich.
| Parameter | Einheit | Standard | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| Maximale Heizleistung | kW | – | Obergrenze der Kondensatorleistung |
| COP-Polynom | – | Standardkoeffizienten | Koeffizienten |
| Nennvolumenstrom | m³/h | 2 | Bezugsvolumenstrom für den Druckverlust |
| Nenndruckverlust | bar | 0,5 | Druckverlust beim Nennvolumenstrom |
| Fluidvolumen | L | 3 | Fluidvolumen (netzseitig, Kondensator) |
Ausgabegrößen
| Größe | Bedeutung |
|---|---|
| COP | Aktuelle Leistungszahl |
| ElectricalPower | Elektrische Leistungsaufnahme |
| CondenserHeatFlux | Kondensatorleistung (Heizleistung) |
| EvaporatorHeatFlux | Verdampferleistung (Quellwärme) |
| EvaporatorMeanTemperature / CondenserMeanTemperature | Mittlere Temperaturen für die COP-Berechnung |
Aus ElectricalPower lassen sich Jahresarbeitszahlen und Stromkosten auswerten – siehe Liniendiagramme.
Hinweise
- Kalte Nahwärme: Für Abnehmer mit quellenseitiger Wärmepumpe bezieht sich die Anschlussleistung auf die dem Netz entnommene Verdampferleistung; bei der automatischen Dimensionierung wird das berücksichtigt.
- Sinkt die Netztemperatur im Winter stark ab, sinkt der COP der quellenseitigen Wärmepumpen – die elektrische Leistung steigt. Ein Blick auf die COP-Zeitreihen der kritischen Abnehmer gehört zur Auswertung kalter Netze.