Mehrere Energiezentralen

Verteilungsannahmen der Energiezentralen: Versorgungsoptionen, Netzanteil und Heizleistungsabdeckung bei Netzen mit mehreren Einspeisepunkten

Überblick

Bei Netzen mit mehreren Energiezentralen muss festgelegt werden, welche Zentrale welche Abnehmer bzw. welchen Anteil der Heizleistung versorgt. Diese Verteilungsannahmen werden ausschließlich für die Rohrdimensionierung und die Gleichzeitigkeitsberechnung benötigt – nicht für die thermo-hydraulische Berechnung (stationäre Berechnung und dynamische Simulation), bei der sich die Lastaufteilung physikalisch aus dem hydraulischen Modell ergibt. Für die Auslegung steuern sie die Lastaggregation der Rohrdimensionierung und die Berechnung der Gleichzeitigkeit; die Zuordnung der Energiezentralen zu Netzbereichen ist dabei eine Näherung.

Aufruf

  • Menü Netzwerk > Verteilungsannahmen der Energiezentralen … - öffnet den Dialog Energiezentralen bearbeiten
  • alternativ der Reiter Verteilungsannahmen der Energiezentralen im Dialog Rohre dimensionieren

Einstellungen je Energiezentrale

Der Dialog zeigt eine Tabelle mit allen Energiezentralen (Quellknoten) des aktiven Netzes:

SpalteBedeutung
Name der EnergiezentraleAnzeigename des Quellknotens (nicht editierbar)
VersorgungsoptionAuswahl zwischen Nächstgelegene Abnehmer versorgen und Gesamtes Netz versorgen
Info-SymbolTooltip mit Erläuterung der gewählten Versorgungsoption
Netzanteil [%]Nur bei Nächstgelegene Abnehmer versorgen editierbar: Anteil des gesamten Netzbedarfs, der dieser Zentrale zugewiesen wird
Heizleistungsabdeckung [%]Nur bei Gesamtes Netz versorgen editierbar: Anteil der Spitzenleistung jedes Abnehmers, den diese Zentrale deckt

Nächstgelegene Abnehmer versorgen

Die Zentrale versorgt nur die ihr im Netz nächstgelegenen Abnehmer. Die Abnehmer werden anhand der Netzentfernung der jeweils nächsten Zentrale zugeordnet, bis deren Netzanteil am Gesamtbedarf erreicht ist. Geeignet, um die Last für die Auslegung geografisch auf mehrere Energiezentralen zu verteilen: Jeder Abnehmer wird der ihm nächstgelegenen Zentrale zugerechnet. Diese Zuordnung ist eine reine Auslegungsannahme für die Lastaggregation von Rohrdimensionierung und Gleichzeitigkeit; sie verändert weder die Netzgeometrie noch teilt sie das Netz dauerhaft in Bereiche auf.

Gesamtes Netz versorgen

Die Zentrale versorgt alle Abnehmer im Netz und deckt bei jedem Abnehmer den angegebenen Prozentsatz der Spitzenleistung (Heizleistungsabdeckung). Geeignet für eine Grundlast- oder Spitzenlastzentrale, die das gesamte Netz mit einem definierten Leistungsanteil versorgt.

Gültigkeitsregeln

Vor der Rohrdimensionierung werden die Einstellungen geprüft. Ungültige Konfigurationen blockieren die Berechnung:

  • Jede Zentrale benötigt eine gesetzte Versorgungsoption.
  • Der Netzanteil jeder Zentrale mit Option Nächstgelegene Abnehmer versorgen muss im Bereich (0, 100] % liegen; die Summe aller Netzanteile muss genau 100 % ergeben.
  • Die Heizleistungsabdeckung jeder Zentrale mit Option Gesamtes Netz versorgen muss im Bereich (0, 100] % liegen; die Summe aller Abdeckungen darf 100 % nicht überschreiten.

Bei ungültigen Einstellungen zeigt der Dialog eine Fehlermeldung mit den betroffenen Punkten an; die Schaltfläche Energiezentralen-Einstellungen automatisch korrigieren stellt eine gültige Standardkonfiguration her (z. B. Normierung der Netzanteile auf 100 %). Werden Abnehmer durch die gewählten Abdeckungen keiner Zentrale zugeordnet, erscheint nach der Dimensionierung eine Warnung mit den betroffenen Gebäuden.

Auswirkung auf Dimensionierung und Berechnung

Aus den Verteilungsannahmen werden für jede Trasse zwei Lastszenarien ermittelt: die Last aus der Zuordnung zur nächstgelegenen Zentrale und die Last aus der Versorgung des gesamten Netzes. Für die Dimensionierung wird je Trasse das Maximum beider Szenarien angesetzt - jede Trasse wird also für den ungünstigsten angenommenen Versorgungsfall ausgelegt.

Wichtig für die Praxis:

Die Verteilungsannahmen sind eine reine Auslegungsnäherung – sie legen fest, wie die Last für die Rohrdimensionierung auf mehrere Einspeisepunkte aggregiert wird, nicht wie das Netz später real betrieben wird. Weil je Trasse das ungünstigere der beiden Szenarien maßgebend ist, sind die Rohre auch dann tragfähig dimensioniert, wenn eine Zentrale ausfällt und eine andere einspringt. Den tatsächlichen Betrieb bildet erst die stationäre Berechnung bzw. die dynamische Simulation ab.

Die angenommenen Abdeckungen wirken sich nur auf die Gleichzeitigkeitsberechnung und die Rohrdimensionierung aus. Die stationäre Berechnung und die dynamische Simulation werden nicht direkt beeinflusst, sondern nur indirekt über die resultierenden Gleichzeitigkeitswerte und Rohrdurchmesser.

Aufteilung des Netzes auf die Versorgungsbereiche zweier Energiezentralen
Aufteilung des Netzes auf die Versorgungsbereiche der Energiezentralen

Verwandte Themen

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Neue Features, Tutorials und Updates direkt in Ihr Postfach.